Körperbandagen beim Pferd – was ein einfaches Band alles verändern kann

Vielleicht hast du schon einmal ein Pferd gesehen, das ein elastisches Band um Brust, Bauch oder Hinterhand gewickelt hatte, und dich gefragt, was das eigentlich soll.

Ich kannte Körperbandagen anfangs auch nur vom Sehen. Erst durch meine Ausbildung und die intensive Beschäftigung mit Körperwahrnehmung und Bewegung habe ich verstanden, wie spannend diese einfache Methode sein kann.

Die Körperbandagen stammen aus der Arbeit von Linda Tellington-Jones. Dabei werden elastische Bänder nach bestimmten Mustern um den Pferdekörper gelegt. Über die Haut geben sie einen sanften, gleichmäßigen Reiz ab und schenken dem Pferd dadurch eine permanente Rückmeldung über seinen eigenen Körper.

Mehr Körpergefühl

Pferde sind Meister darin, Probleme zu kompensieren. Sie können erstaunlich lange mit eingeschränkter Beweglichkeit, einer schiefen Haltung oder ungünstigen Bewegungsmustern durchs Leben gehen. Irgendwann wird diese Ausweichhaltung zur Gewohnheit.

Genau hier finde ich Körperbandagen so spannend.

Durch den zusätzlichen Reiz kann das Pferd einzelne Körperbereiche wieder bewusster wahrnehmen. Manche Pferde werden dadurch aufmerksamer in der Bewegung, andere beginnen sich spürbar freier oder koordinierter zu bewegen.

Manchmal ist die Veränderung überraschend deutlich: Das Pferd tritt mit einem Hinterbein auf einmal bewusster unter, findet in der Wendung mehr Balance oder wirkt insgesamt einfach besser sortiert.

Auch der Kopf macht mit

Besonders faszinierend finde ich die Wirkung auf die Psyche.

Ein Pferd, das schnell auf Reize reagiert, kann durch die zusätzliche Körperwahrnehmung ruhiger und fokussierter werden. Unsichere Pferde wirken stellenweise selbstbewusster, andere werden langsamer und kommen mehr bei sich an.

Körper und Psyche gehören für mich ohnehin zusammen: Ein Pferd, das sich in seinem Körper sicher fühlt, kann sich meist auch viel leichter auf seine Umgebung und seine Aufgaben einlassen.

Natürlich reagiert jedes Pferd anders. Manche genießen die Bänder sofort, andere brauchen ein wenig Zeit, um sich daran zu gewöhnen.

Welche Wickelmethoden gibt es?

Je nachdem, wo und wie die Bandage angelegt wird, lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Es gibt eine Vielzahl an Techniken und Variationen. Am häufigsten verwende ich die Kopfbandage und das Brücken-Körperband.

Die Kopfbandage

  • Wofür? Sie bedeckt Stirn, Kiefergelenk, Atlas sowie Genick und wirkt wie eine kleine „Denkmütze“. Sie hilft nervösen Pferden dabei, wieder runterzukommen und sich zu erden.

  • Besonders interessant bei: Pferden, die Unwohlsein durch Kopfschlagen oder Steigen ausdrücken oder kopfscheu sind. Auch bei wenig Fokus oder Trennungsangst kann die Kopfbandage gut unterstützen.

  • Was kann man beobachten? Die Bandage wirkt oft erstaunlich beruhigend auf das gesamte Nervensystem.

Das Brücken-Körperband

  • Wofür? Es gibt dem Pferd eine klare Rückmeldung über die Verbindung von Vorder- und Hinterhand. Gleichzeitig bekommt es mehr Information darüber, wo sich sein Körper gerade im Raum befindet.

  • Besonders interessant bei: Pferden, die sich körperlich etwas „auseinandergefallen“ anfühlen, also keine Verbindung zwischen vorne und hinten zu haben scheinen, als auch bei Pferden die sich vor Dingen die von hinten kommen fürchten oder Angst vor engen räumen haben.

  • Was kann man beobachten? Häufig verändern sich die Halsbasis, die Schrittlänge und die Art, wie das Pferd seine Hinterhand einsetzt. Genau deshalb ist es spannend, das Pferd vor und nach dem Anlegen genau in der Bewegung zu beobachten.

Körperbandagen im Training

Ich setze Körperbandagen gerne als zusätzlichen Impuls im Training ein – zum Beispiel vor oder während einer Einheit an der Longe, bei der Handarbeit oder bei einfachen gymnastizierenden Übungen. Das Pferd bekommt eine andere Rückmeldung und kann neue Bewegungsmöglichkeiten ganz ohne Druck ausprobieren.

Dabei geht es mir nicht darum, möglichst viel auf einmal zu verändern. Viel spannender ist die Beobachtung:

  • Was macht das Pferd daraus?

  • Wird die Bewegung freier?

  • Wird es ruhiger?

  • Setzt es ein Bein bewusster ein?

  • Verändert sich seine Balance?

Genau diese kleinen Veränderungen erzählen oft ziemlich viel.

Und manchmal braucht es gar kein Training

Körperbandagen sind auch eine wunderbare, ruhige Möglichkeit, dem Pferd einfach Zeit für sich selbst zu geben.

Ein bisschen Körperarbeit, eine passende Bandage, ein paar Minuten Pause – und schauen, was passiert. Gerade für Pferde, die schnell hochfahren oder sich schwer entspannen können, ist das eine schöne Ergänzung im Alltag.

Mein Fazit

Körperbandagen sind kein Zaubertrick und schon gar kein Ersatz für eine fachliche Abklärung, wenn ein Pferd Schmerzen oder deutliche Bewegungsprobleme zeigt. Sie sind aber ein tolles Werkzeug, um die Körperwahrnehmung zu unterstützen und neue Impulse zu setzen.

Genau das macht sie so wertvoll: Ein paar Meter elastisches Band können manchmal erstaunlich viel über ein Pferd erzählen.

Wenn du wissen möchtest, wie Körperbandagen bei deinem Pferd eingesetzt werden können, probieren wir sie gerne im Rahmen einer Physio-FIT Einheit gemeinsam aus.

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